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Karnischer Höhenweg: Mein abenteuerlicher Wanderurlaub

Hallo meine Lieben,

ich will wieder zurück… Die traumhaften Berge, das irre Panorama auf die Sextener Dolomiten, die schönen Hütten, die netten Leute, die wir getroffen haben. Kurz: Unser Urlaub am Karnischen Höhenweg war der Wahnsinn!

Falls ihr euch wundert, warum es hier in letzter Zeit keine neuen Beiträge gegeben hat: Ich Schussel bin am dritten Tag in einer steilen Rinne mit Schotter ausgerutscht. Der liebe Rucksack hat mich gleich nach hinten gezogen und die Entscheidung, mich mit den Händen abzustützen, war dank meiner Wanderstöcke ein großer Fehler. Da hab ich mir doch glatt die Hand geprellt und mir einen leichten Haarriss eingefangen. Abgesehen von den ersten Tagen hatte ich zwar keine großen Schmerzen. Allerdings war das Tippen mehr als unangenehm. Jede halbe Stunde musste ich eine Pause einlegen. Und nachdem ich beruflich so viel tippen muss habe ich da schon sooo lange gebraucht… Ich glaube, ihr versteht was ich meine. 😉 Blöd gelaufen. So schnell kann es gehen. Aber nachdem mir mein Handgelenk eine schlaflose Nacht bereitet hat, bin ich am nächsten Tag ins Tal abgestiegen, zum Doc gegangen, im nächsten Tal wieder hoch und am Karnischen Höhenweg eingestiegen. Ich gehe ja schließlich mit den Füßen… 😉

Richtig Glück hatten wir mit dem Wetter. Abgesehen von dem einen Tag, an dem uns das Gewitter erwischt hat, begleitete uns fast immer Sonnenschein. Ab und zu war’s etwas bewölkt, aber so richtig geregnet hat es Gott sei Dank nie.

Die Etappe des Karnischen Höhenwegs

KHW Etappe 1: Zur Sillianer Hütte

Am ersten Tag sind wir zur Sillianer Hütte aufgestiegen. Da haben wir gleich den ersten Kulturschock erlebt.

Es war ja das erste Mal, dass ich auf einer Alpenvereinshütte übernachtet habe. Und die Sillianer Hütte war gleich zum Bersten gefüllt. Der Schlafsaal mit 16 Leuten war voll belegt, und ungefähr die Hälfte davon hat lautstark geschnarcht. Ein Hoch auf die Ohropax! 😉

Aber Gott seid Dank wurden die Hütten immer leerer je weiter wir am Karnischen Höhenweg kamen. 😉

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KHW Etappe 2: Sillianer Hütte – Obstanserseehütte

Am zweiten Tag hatten wir eine etwas kürzere Etappe mit knapp 4 Stunden vor uns. Da wir um sechs Uhr in der Früh, dank der frühmorgendlichen Rucksackwühl-Motivation der anderen 14 Schlafsaalmitbewohner, bereits putzmunter waren, sind wir recht früh los.

Die Wanderung war herrlich. Ein traumhafter Panoramablick zu den Sextener Dolomiten und den drei Zinnen hat uns fast den ganzen Weg lang begleitet. Der Weg regt aber auch zum Nachdenken an. Überall finden sich dort noch Überreste aus dem ersten Weltkrieg. Stellungen, verfallene Hütten, Löcher, die in den Berg gegraben wurden, alte Friedhöfe… irgendwie tu ich mir mit der Vorstellung schwer, dass ausgerechnet an so einem friedlichen Ort so gewütet wurde. :-(

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Gegen Mittag waren wir dann schon bei der Obstanserseehütte.

Die nette Kellnerin erzählte uns von einer Eishöhle in der Nähe der Hütte. Also sind wir mit einer Taschenlampe bewaffnet zu der Höhle aufgebrochen. Da geht’s richtig weit hinein, wir waren ganz erstaunt. Tief in der Höhle sind wir dann auch auf Eis gestossen.

Das war richtig klasse. Bei uns sind immer alle Höhlen abgesperrt oder dürfen nur im Rahmen einer kostenpflichtigen Führung besucht werden. Deshalb war das für uns eine ganz neue Erfahrung.

Die Obstanserseehütte war auch eine richtig schöne Hütte. Der See ist angeblich gar nicht so kalt. Ein paar andere Wanderer waren schwimmen. Ich hab nur kurz die Beine hineingestellt und mir taten sie sofort weh. Also ist das „warm“ wahrscheinlich relativ… 😉 Aber ich bin auch eine richtige Frostbeule.

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KHW Etappe 3: Obstanserseehütte – Filmoor Standschützenhütte – Porzehütte

Am dritten Tag sind wir recht früh aufgebrochen. Wir sind zuerst zum Rosskopftörl aufgestiegen. Dort oben gab’s eine kleine, recht provisorische Sitzbank. Dort haben wir gefrühstückt. Der Ausblick von dort oben war einfach der Wahnsinn. So ein schönes Frühstück hatte ich noch nie…

Da an diesem Tag Gewitter gemeldet waren, sind wir uns gegen den Kammweg entschieden. Der Weg durch das „Tal“ war wirklich beeindrucken. Sogar Türkenbund, eine seltene Orchidee, wuchs dort.

Ich bereue es, dass wir nicht länger auf der Filmoor Standschützenhütte bleiben konnten. Die Hütte war einfach nur bezaubernd, so richtig urig. Dort oben haben sie keinen Strom und die Bierdosen schwimmen im Brunnen zur Kühlung. Toll.

Beim Abstieg von der Filmoor Standschützenhütte ist mir dann mein Upsi passiert (siehe oben). Am Anfang tats kurz weh, dann gar nichts mehr. Und am Abend kam der Schmerz. Und in der Nacht war er unterträglich. Schlafen konnte ich sowieso nicht, also bin ich aufgestanden und habe mich vor die Hütte gesetzt. Dort konnte ich die halbe Nacht das Bergleuchten beobachen. Das entsteht, wenn hinter einem Bergkamm ein Gewitter tobt. Die Berge leuchten dann bei jedem Blitz indirekt auf. Richtig schön.

KHW Etappe 4: Porzehütte – Obertilliach – und wieder hoch

Da meine Hand wirklich sehr weh tat, entschlossen wir uns, ins Tal abzusteigen und doch einen Doktor zu beehren.

Im Tal gab’s auch einen richtig netten Doktor. Stolz erzählte er mir, dass er die höchste, ständig besetzte Arztpraxis Österreichs betreibt. Und, dass ich in guter Gesellschaft bin: Es kommen hin und wieder irgendwelche Stars und Sternchen verletzt vom Karnischen Höhenweg zu ihm. 😉 Da bin ich ja in bester Gesellschaft.

Da nichts gebrochen war, habe ich mir eine Schiene verpassen lassen und wir haben uns wieder auf den Weg in die Berge gemacht. Dieser Aufstieg war glaub ich das Anstrengendste, das ich je gemacht habe. Ich hatte nichts geschlafen, die Schmerzmittel vertrug ich nicht so richtig und dann kam auch noch das blöde Gewitter, als wir schon 1000 Höhenmeter oben waren. So richtig mit Hagel und so.

Aber wir hatten wieder Glück im Unglück. Kurz bevor es loshagelte, kamen wir an einer kleinen, nicht versperrten Hütte vorbei.  Da sind wir rein und haben das Gewitter abgewartet. Da das Gewitter aber recht standhaft war und wir noch knapp 3 Stunden bis zur nächsten Hütte vor uns hatten, beschlossen wir, die Nacht in dieser einsamen Hütte zu verbringen.

Wie ihr seht, wir sind also nicht nur Höhlenforscher, sondern auch richtige Abenteurer! 😉

KHW Etappe 5: Hochweißsteinhaus – Wolayerseehütte

Der Tag war hart. Richtig hart. Wenigstens hatte ich diesmal etwas geschlafen. 😉 Allerdings haben wir ja noch die restliche Etappe des Vortages dazugehangen. Bis zu unserem Ziel, der Wolayerseehütte, sind wir knapp 9 Stunden durchgehend unterwegs gewesen. Das war weit.

Vor allem das letzte Stück war richtig arschig. Zur Wolayerseehütte mussten wir einen steilen Hügel hoch.

Dafür hat uns die Wolayerseehütte, als wir eeendlich dort waren, gleich wieder aufgebaut. Die Hütte ist kürzlich renoviert worden und einfach traumhaft schön. Mit einem Panoramawintergarten auf den See, neue Waschräumen und einen eigenen Masseur jeden Donnerstag ist die Hütte fast schon ein wenig dekadent für eine Alpenvereinshütte. Da fühlt man sich, stinkend und schwitzend bei der Ankunft, fast schon fehl am Platz… 😉

KHW Etappe 6: Wolayerseehütte – Kleiner Pal – Untere Valentinalm

An diesem Tag sind die meisten Mitwanderer ins Tal nach Kötschach Mauthen abgestiegen und nach Hause gereist. Wir hatten uns schon im Vorfeld entschlossen, einen Tag länger zu bleiben und uns noch das Freiluftmuseum über den ersten Weltkrieg auf dem kleinen Pal anzusehen.

Wir sind den Landsturmweg hoch und über den italienischen Weg wieder hinunter zum Plöckenpass. Das Museum selber ist wirklich beeindruckend, wenn auch nicht im positiven Sinne. Mit so etwas hatte ich wirklich nicht gerechnet. Ich war der Meinung, dass da oben halt ein paar kleine Häuser oder Stellungen sein werden. Denkste. Unglaublich was die Italiener und die Österreicher mit diesem Berg gemacht haben und dort oben aufgebaut haben. Was für eine sinnlose Menschen- und Materialverschwendung.

Einen Besuch auf dem kleinen Pal kann ich jedem nur empfehlen. Also wenn ihr auf dem Weg nach Italien am Plöckenpass vorbeikmmt und euch ein wenig die Beine vertreten wollt, schaut euch dieses Freilichtmuseum an!

KHW Etappe 7: Abstieg nach Kötschach Mauthen

Am letzten Tag sind wir nach Kötschach Mauthen abgestiegen und haben uns in den Weg in die Südsteiermark gemacht…

 

Das waren also meine Erfahrungen mit dem Karnischen Höhenweg. Unterm Strich war es ein wahnsinnig schöner Urlaub. Auch wenn mich ständig Leute schief ansehen und meinen „…und das ist ein Urlaub?“, mir hats wirklich gut gefallen. Auf die Frage, ob ich es wieder machen würde, gibt’s nur eine Antwort: JA!!! JEDERZEIT!!! 😉

Begleitet hat mich übrigens auf dem Karnischen Höhenweg (wie so ziemlich jeden anderen Wanderer) das Büchlein von Eva Maria Wecker: Karnischer Höhenweg: Von Sillian nach Thörl-Maglern. 14 Etappen – mit Varianten und Gipfeln. (Amazon*). Das war für einen ersten Überblick der Strecke recht gut geeignet. Auch wenn die Höhenprofile fast schon eine Frechheit sind. Die „Höhenprofile“ sind nur eine Luftlinie zwischen den zwei Hütten. Wenn also die erste Hütte auf 2500m liegt und die zweite auf 2300m, ist da ein leicht abfallender, gerader Strich im Höhenprofil. Dass es zwischen den beiden Hütten zuerst 1000m nach unten und dann wieder nach oben geht sieht man nicht. Und ich hatte mich schon auf einen gemütlichen Tag gefreut. 😉

Daher war ich richtig froh, dass wir zusätzlich noch eine Karte mit dabei hatten. Wir haben diese Karte von Kompass mit: Lienzer Dolomiten – Lesachtal – Karnischer Höhenweg: Wanderkarte mit Aktiv Guide, alpinen Skirouten und Radrouten. (Amazon*)

Nächste Woche durchquere ich mit ein paar Freunden übrigens das Karwendelgebirge. Ich freu mich schon… Da bin ich nur mehr halb so traurig, dass mein Urlaub am Karnischen Höhenweg bereits vorbei ist!

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